Grün, high und Spaß dabei – oder: Der Wahnsinn hat Method

Muss „grün“ eigentlich immer seriös und so getragen ernst sein? Müssen grüne Produkte immer noch wie dieses öde Holzspielzeug aussehen? Haben wir uns immer noch nicht von der lila Latzhose und dem Jute-Beutel ( die mich ja sehr prägten) erholt?

Amerika, du hast es besser, denn da hat der Wahnsinn Method(e):

Man könnte meinen, da hat jemand zu lange am Haushaltsreiniger geschnüffelt, und doch steckt da ein noch recht junges, sehr erfolgreiches Unternehmen aus San Francisco dahinter: Method – und die Kampagne „People against dirty“. Ziel: „to design the smartest, greenest and best-looking cleaning products on the market.“

Design… best-looking… da schüttelt es den protestantisch-geprägten deutschen Nachhaltigkeitsbürger, denn da steckt ja viel zu viel Spaß dahinter. Und Spaß ist nun mal nicht ernst genug. Und deshalb haben wir in Deutschland nur „Frosch„. Oder „Terra“ – und das sieht dann so aus:

Zurück zu erfreulichen Dingen, zurück zu Method: Allem Spaß und dem poppigen Design zum Trotz handelt es sich hier um ein „grünes“ Unternehmen, das mit natürlichen und ziemlich chemiefreien Reinigungsmittel zeigt, dass Nachhaltigkeit auch lustig sein kann – was sich in ihren lesenwerten Webtexten wiederfindet:

We’re in business to change business. At method, we see our work as an amazing opportunity to redesign how cleaning products are made and used, and how businesses can integrate sustainability. Our challenge is to make sure that every product we send out into the world is a little agent of environmental change, using safe and sustainable materials and manufactured responsibly. Little green soldiers in the battle of doing-well-by-doing-good, if you will. This is why we make our bottles from 100% recycled plastic, why we constantly seek to reduce the carbon emitted by our business (and why we offset the remainder), why we never test on animals, why we design innovative products using natural, renewable ingredients, and why we’re transparent about the ingredients we use, how we make our products, and what our track record is as a green business.

Kann man sich sowas bei „Frosch“ vorstellen? Ich meine das Flaschen-Design, nicht die Gründer….

Most companies treat product design like it ain’t no thang. At method, we believe product design is a thang. It’s very much a thang. So when we were figuring out how to package our products, we enlisted world-renowned designer Joshua Handy to sculpt some of the finest pieces of recyclable plastic art this side of MoMA. Form, meet function. Function, form. You two play nice.

Clean happy!

Es geht also doch. Grün kann Spaß machen. Grün muss Spaß machen. Und Grün kann auch ästhetisch ansprechend und poppig sein.

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Mit Spaß den Green-Marketing-Zeigefinger vermeiden!

Die „Zeit“ hat es heute auf dem Titelblatt: Schnell neigen wir zum Moralisieren und zum Gutmenschentum und das besonders gerne, wenn es um „grüne“ Themen geht. Nichts ist schlimmer als der erhobene Zeigefinger, der uns belehrend ein „du sollst nicht….“ signalisiert. Wir alle kennen diese sturen, oberlehrerhaften Linksfahrer auf der Autobahn, die  getreu dem Motto „man darf ja hier eh nicht schneller als 100 fahren, also brauche ich auch nicht Platz zu machen….“ den nachfolgenden Fahrer erziehen.

Dennoch: Grüne Botschaften sind wichtig, zu wichtig, um sie nur im seichten Entertainment verpuffen zu lassen. Ich habe hier ein schönes Beispiel gefunden, wie es auch anders gehen kann:

Die Verbindung aus Flashmob und viraler Verbreitung (siehe dazu auch den Eintrag bei talketing) erreicht die Menschen (in diesem Fall fast 1,5 Mio Klicks!) und bringt uns das Thema näher als jede Info-Grafik. Flashmobs, die Gutes tun und erreichen wollen, sind auch als “ Carrotmobs“ bekannt. Mehr zu diesem Thema findet ihr hier.

Green Marketing bedeutet also nicht nur, authentisch, transparent und ehrlich zu sein, sondern auch die richtigen medialen Kanäle zu bedienen, damit die Botschaft jene erreicht, für die das Thema wirklich relevant ist: Wir müssen uns daher mehr Gedanken machen über „Green Media“.