Grün bis in die Tinte: organic advertising

Gar nicht so einfach: Da hat man ein grünes Produkt – doch irgendwie muss man darauf auch aufmerksam machen, wenn es erfolgreich zu den Konsumeten gebracht werden soll. Flyer oder Plakate sich nicht wirklich nachhaltig – weder in der Produktion noch in der gesamten Erstellung einer Kampagne.

Back to Basics dachte sich da die französische Biomarkt-Kette „Biocoop„: Natürlich radelten die Mitarbeiter zur Location und haben allen anfallenden Müll fachgerecht entsorgt, aber sie gingen noch einen Schritt weiter: Die Fotos wurden beispielsweise mit einer selbstgebauten Lochkamera gemacht, die Abzüge handbeschriftet mit Pflanzenfarbe, die Plakate in einem kleinen Format gedruckt und nach der Kampagne als Verpackung weiterverwendet und und und… aber seht selbst:

Mein absoluter Favorit ist allerdings die – komplett in ASCII gehaltene – Website der Kampagne

Screenshot (10),

die nur 3 Mb groß ist.

Immerhin, der Aufwand hat sich gelohnt, denn für die gesamte Kampagne wurde nur 1/3 an CO2 verbraucht als bei einer gewöhnlichen Produktion – und der Impact in den sozialen Medien ist natürlich ein gern mitgenommener positiver Nebeneffekt… Aber: Der Schritt zurück muss kein Rückschritt sein und ich glaube, dass es mehr Kunden als nur die Biomarkt-Kette gibt, die Wert auf nachhaltige, „handmade“ und entschleunigte Werbung legen. Zeit also für die erste „organic“ Werbeagentur?

Fair kostet mehr

Das alte Thema: Müssen Produkte, die „gut“ sind, denn immer so viel mehr kosten als Produkte, die zwar auch schön, aber irgendwie… naja… nicht soo „gut“ sind?

Ja. Müssen sie. Denn zum einen gibt es nach wie vor keine finanziellen Sanktionen auf Anbieter und Produkte, die Kosten externalisieren, d.h. sie von anderen tragen lassen (in dem sie beispielsweise Steuern nicht dort abführen, wo sie anfallen, sondern die Gewinne so lange verschieben, bis nur noch eine minimale Steuerlast übrig bleibt) und zum anderen kosten nicht nur Rohstoffe und Materialien, die nachhaltig produziert werden, mehr, sondern auch die faire Bezahlung der Herstellenden schlägt sich im Preis nieder.

Und jetzt höre ich schon wieder das Wehklagen „Kein Kunde ist bereit, das zu bezahlen!“, was natürlich so nicht stimmt. Denn Preis ist immer „nur“ eine Sache von Wert und Wertigkeit – und die Wertkommunikation ist nach wie vor Aufgabe des Anbieters: „Was der Kunde nicht sieht, was der Kunde nicht weiß, das zahlt er auch nicht.“

We are Armedangels. We love beautiful products.  We think organic. And we believe fairness is never out of fashion.“ heißt es auf der Website des Modelabels Armedangels. Seit 2007 arbeiten die Köpfe hinter Armendangels mit Fairtrade zusammen und vertreten deren von der Fairtrade Labelling Organizations International entwickelten Standards. Schon bei der Gewinnung der Baumwolle wird auf eine faire, existenzsichernde Bezahlung geachtet und auch an jeder weiteren Station des Produktionsprozesses sind u.a. Kinderarbeit, Diskriminierung, Zwangsarbeit geächtet und wird genauso kontrolliert wie das Angebot an Weiterbildung, Arbeitsplatzsicherheit, Gesundheitsvorsorge und Versammlungsfreiheit.

Zusätzlich wird bei Armedangels zertifiziert nach den Global Organic Textile Standards gearbeitet: Keine Verwendung von Pestiziden und anderen Chemikalien bei der Rohstoffproduktion, aber auch Bleichen ohne Chlor, Drucken mit Farben auf Wasserbasis, Kontrolle der Abwässer und zusätzlich eigene Kontrollen der sozialen Standards und der Lohnzahlung. Doppelt genäht hält besser.

Selbstredend wird bei Armedangels ganzheitlich weitergedacht: Der Versand der Pakete von Indien nach Europa wird mit DHL GoGreen durchgeführt, was eine Verringerung des CO2-Ausstoßes auf den Transportwegen bedeutet, auch wenn es die Lieferzeit verlängert.

Dieses grüne Denken und Handeln zahlt sich aus, denn natürlich gibt es die Käufer und Konsumenten, die bereit sind, für ein fair und sauber produziertes T-Shirts mit hoher Qualität mehr zu bezahlen als für die Primark-Klamotte. Die Umsätze sind längst im siebenstelligen Bereich angekommen.

Müssen gute Produkt mehr kosten? Nochmals: ja. Denn weder kauft man sich ein gutes Gewissen noch bereichert man den Anbieter, sondern man sorgt auf diese Weise dafür, dass alle Beteiligten ein faires Auskommen von ihrer Arbeit erreichen können.