Alles, was man gibt, kommt zurück: domerang

Ihr wißt schon: Geben ist seliger denn Nehmen, jedes Lächeln kommt zurück, Karma muss im Gleichgewicht sein, alles Ying und Yang – irgendwie. Kann das Grundlage eines erfolgreichen Geschäftsmodells sein?

„Geben. Nehmen. Glück,“ – das ist das Grundprinzip bei domerang, einem kleinen, feinen Berliner Startup. Auf den ersten Blick handelt es sich dabei um ein klassisches Zeitkonto-Modell, wie es in Spanien und Griechenland zur Zeit sehr verbreitet ist. Wenn die Menschen gerade in Krisenländern kaum Geld zur Verfügung haben, dann leisten sie Arbeit für virtuelle Aufwandsentschädigungen: Für die Handwerksleistungen, die ich für jemanden durchführe, erhalte ich ein Zeitgeld auf mein Konto, das ich dann wieder einsetzen kann, um damit den Friseur zu bezahlen. Doch domerang ist mehr als das:

Domerang Erklärfilm from Tim Boehm on Vimeo.

Natürlich kann ich auch hier meine „Luckies“ verteilen – aber wer besonders viel gibt und leistet, erhält dafür auch einen Anteil am „Zurückgeld“.  Die Hälfte aller Netto-Einnahmen aus Abo-Gebühren und Werbung wird an die Mitmachenden ausgezahlt. Das Ranking bezieht dabei verschiedenen Faktoren mit ein:

Damit sich das mit dem Zurückgeld der engagierten Mitglieder so richtig lohnt, haben wir als erstes 5 verschiedene Klassen eingeführt. Je aktiver jemand ist, desto eher erreicht er die obere Klasse. Je höher die Klasse, in der sich ein Mitglied befindet, desto höher der %-uale Anteil seines Zurückgelds.

Als zweites zählen innerhalb der jeweilige Klasse die Anzahl der verdienten Luckys pro Mitglied.

Und als drittes Element zählt noch der Bonus aus dem Zurückwert: Je besser ein Mitglied bewertet wurde, umso höher wird sein Anteil am Zurückgeld ausfallen.

Selbstverständlich funktioniert dieses Prinzip aus Geben und Nehmen am besten, wenn möglichst viele sich beteiligen und die sogenannten „Do’s“ einstellen. Noch ist das Projekt in der Beta-Phase, um letzte Kinderkrankheiten in den Griff zu bekommen, aber jeder kann sich dort schon registrieren und mitmachen.

Ein wirklich schönes Modell, das zeigt, wie alternatives Wirtschaften funktionieren kann!

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Unilever: Müllvermeidung reicht nicht aus für’s neue „green“

Müll, Müllvermeidung, Recycling sind wichtige Themen, wenn es darum geht, Ressourcen zu schonen und sinnvoll zu produzieren. Müllvermeidung ist deshalb auch bei dem Großkonzern Unilever wichtiger Bestandteil der Nachhaltigkeitsbemühungen – und die beginnt bereits beim Produktdesign:

Unilever verfolgt dabei hehre Ziele, wie man auf der Website nachlesen kann:

Kleine Taten. Große Wirkung.

Mit unserem Sustainable Living Plan wollen wir dazu beitragen, dass Menschen ihre Lebensqualität steigern und gleichzeitig ihre Umwelt schützen.

Wir haben uns drei große Ziele bis 2020 gesetzt:

  • Halbierung der Umweltauswirkungen unserer Produkte
  • Unterstützung von mehr als 1 Milliarde Menschen, ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden zu verbessern
  • 100% nachhaltige Gewinnung unserer landwirtschaftlichen Rohstoffe

Und dazu gehört auch die grüne Optimierung der Wertschöpfungskette:

Ja, gut, das ist löblich. Aber irgendwie erwartet man so etwas auch, zumal mit den schlankeren Verpackungen Geld (und Platz) gespart werden kann, ganz uneigennützig ist das also nicht.

Unilever geht jedoch noch einen Schritt weiter: Als Nahrungsmittelhersteller möchte der Konzern es auch, dass weniger Lebensmittel weggeworfen werden – nicht erst ein Thema seit „Taste the waste“:

 

Unilever setzt hier nicht beim Verbraucher an, sondern hat mit „United against waste“

Köche und Gastronomie auf seine Seite geholt. Basierend auf den Erkenntnissen des „World Menu Report“ zum Thema „Sustainable Kitchens“ bietet Unilever interessierten Gastronomen ein „Waste Toolkit“ an:

Unilever Food Solutions have partnered with the Sustainable Restaurant Association to create a complete waste audit and waste reduction toolkit so you can start saving money and do your bit for the environment. Below you’ll find all you need to get started on your waste management programme. You’ll need to register to download the tools.

  1. The first stage is to carry out an audit using the toolkit below which will help you to monitor where waste occurs in your kitchen. You’ll also find case studies on how other businesses have used it in the past, FAQs and a Food Waste data tracking sheet which will help you link your food waste management to KPIs.
  2. Secondly within the Smart Staff section you’ll find a range of posters to utilise around the kitchen to highlight awareness and enable you to monitor progress. Within the ‚purchasing tools‘ section you’ll be able to manage stock to allow you to buy more efficiently.
  3. The Mise en Place and recipe tools provide you with recipe templates which, as well as providing a simple way to standardise your recipes, can also be utilised for shopping lists. More importantly the ‚event efficiency tool‘ will help you plan menus whilst tracking costs.
  4. The final element is on plate waste awareness and efficient monitoring.

Ein Ansatz, der auf fruchtbaren Boden fällt, den das Thema Nahrungsmüllvermeidung in der Küche wurde bereits in der „Love Food Hate Waste„-Kampagne aufgenommen:

 

Leider sind diese Aktionen bislang nur auf Großbritannien beschränkt, eine Ausdehnung auch auf Deutschland wäre wünschenswert. Und natürlich ist es zu begrüßen, wenn ein Konzern wie Unilever sich für diese Belange stark macht.

Aber: Das Engagement in Sachen Müllvermeidung und Wertschöpfungskette allein macht ein Unternehmen nicht „green“, denn heute zählt dazu auch die Frage, wie sozial sich ein Arbeitgeber verhält. Und der Vollständigkeit halber muss ich leider erwähnen, dass da noch reichlich Potential vorhanden ist:

green washing vs. green drinking

Auf den grünen Werbezug sind ja schon so einige Unternehmen gesprungen…. Krombacher rettet den Regenwald, Pampers spendet Impfungen usw.  Die Rettung ist allerdings immer mit dem Kauf/Konsum verbunden, so dass es fraglich ist, ob diese Mittel den guten Zweck heiligen.

Eine besonders „schöne“ Kampagne gab es dazu in Argentinien:

 

Aber wenigstens wurde diese humorvoll und augenzwinkernd inszeniert….

Das Geschmäckle des „green washing“, des „Sich-grün-anmalens“ bleibt dennoch: Kaufen wir den Konzernen ihr angeblich grünes Herz wirklich ab?

Produkte, bei denen die Nachhaltigkeit kein Werbeversprechen, sondern Produktmerkmal ist, verkaufen uns zwar auch den Nutzen des guten Gewissens beim Konsum, allerdings mit deutlich höherer Glaubwürdigkeit, wie z.B.  die Trinkwasserinitiative „Viva con Aqua„:

 

Eine clevere, hippe und zielgruppengerechte Kommunikation darf natürlich nicht fehlen, aber die Transparenz des Projektes  zieht sich wie ein roter Faden durch die Aktionen.  Dadurch wird „Viva con agua“ eben nicht nur glaubwürdiger, sondern es macht den Konsum sinnstiftend (Der erste Spot war da hingegen eher unsinnstiftend 🙂 ). Sinnstiftung schafft Identifikation innerhalb der Community – und nur so auch den nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg für alle Beteiligten.

„green washing“ durchschauen, „green products“ lieben wir.

„Grünes Produktmarketing“ – mehr als nur das Produkt allein

Selbstverständlich gibt es heute bereits viele Anbieter, die ökologisch vorbildlich und sozial fair ihre Produkte herstellen. Das sieht dann meistens so aus:

„We: Stop using artificial ingredients and colours. Stop preservatives. Stop animal testing on our products. Stop non-biodegradable elements. Stop unnecessary plastic waste by using refillable bottles.“

Klingt gut, oder? Haben wir aber auch schon öfters gelesen und gehört. Neu ist allerdings die Aufforderung:

„You: Stop the water while using our products!“

Die Produkte von „Stop the water while using me“ beruhigen also nicht nur unser Gewissen, weil wir was Gutes gekauft haben, sondern sie versuchen auch, uns auf unser Verhalten aufmerksam zu machen – und es zu ändern:

Mutet zwar auf den ersten Blick ein wenig nach „mit der Holzkeule“ an, aber ich glaube, dass die ständige Aufforderung vor Augen am ehesten dazu führen wird, den Wasserhahn auch mal zuzudrehen.

Ich finde, „green products“ müssen mehr sein als nur die reine Gewissensberuhigung, dass ich ja gerade was „Gutes“ in den Einkaufskorb lege. „Green products“ sollten nicht nur Konsum in grün sein, sondern eben ein „Mehr“ bieten – und dieses Mehr kann „Nachdenken“, „Verhalten ändern“, „Weitersagen“ oder… oder… oder… sein.

Ob mit oder ohne diesen Produkten (mit wäre natürlich schöner, denn Engagement sollte belohnt werden)  – dreht öfter mal den Wasserhahn zu!